Polemik: Grosser Wahn im Taktfahrplan

Redaktors Polemik

Michael Imhof

Liebe Kinder, es war einmal vor langen, langen Jahren, in einer rosigen Zeit vor dem scheusslichen grossen „C“. Wir gondelten naiv und froh in der Weltgeschichte herum, buchten Malle, Berlin und Kopenhagen, nicht ahnend dass diese Freiheit nicht selbstverständlich ist. Wir durften von unserem europäischen Dreiländerflughafen aus bis in den letzten Chrachen fliegen, dies mehrmals täglich sogar. Beim selber Fliegen ab und zu einen 360 über „Echo“ gezogen, das erschien uns als einziger Nachteil dieses munteren Treibens.

Wie mussten wir uns die Augen reiben ob des gewaltigen Wechsels an Betrieb: Plötzliche konnte man Low Passes machen, ILS trainieren, quer landen, ausprobieren wieviele Touch ’n goes man auf vier Kilometern Piste hinkriegt und die Controller freuten sich über jede Anmeldung auf der Frequenz. Das grosse „C“ hats hingekriegt. Na klar, dachte ich, richtet sich das Angebot in einem einigermassen wirtschaftlich operierenden Land gemäss der Nachfrage. Nachfrage weg, kein Linienverkehr. Vielleicht in Kuba, Südamerika oder Indien nicht ganz so konsequent verfolgt, aber immerhin. Also eigentlich in der ganze Welt. Der ganzen Welt? Nein, ein Land trotzt diesem einleuchtenden Prinzip….

Es gibt Hühner, Schafe, Karnickel und dumme Kälber…. die Letzteren wählen dann den Metzger selber.. (Ja, ein kleiner Seitenhieb, verehrter Leser. Ich wollte heute eine Thermoskanne kaufen und die gabs ALLE nur in China produziert. Wir lernens nie.)

Und es gibt Kühe. Es gibt sogar heilige Kühe. Richtig, in Indien werden diese Paarhufer tief verehrt. Meine Empfehlung: Schweifen sie nicht in die Ferne, ist ja grad eh nicht en vogue, sondern staunen sie über die höchste aller Kuhverehrungen: Die kritiklose, dämliche, hoffärtige und bar jeden gesunden Menschenverstandes praktizierte Götzenverehrung unserer eisernen Kuh auf Rädern. Richtig, ich spreche vom Moloch SBB.

Das Thema hatte ich schon einmal aufbereitet in Form einer Polemik, die aktualisierte Wiederholung sehen sie unter „Perversion des grünen Gedankens“, sie behandelt die unterschiedliche Energieeffizienz des Flugverkehrs gegenüber der Eisenbahn im grossen Rahmen. Also nicht einfach nur den Stromstoss berechnet welcher die ca. 300 Tonnen (für einen Doppelstockzug) eines Zuges in Bewegung zu versetzen hat, sondern auch den grossen Rest, der sich in einem derartigen Betrieb so mitschleppen lässt.

Ein perverser Anblick hat mich zur Feder greifen lassen: Abgestellte, für die Langzeitkonservierung eingepackte Airliner auf dem Flugfeld. Daneben fährt ein ICE entlang. Auf jeder geschätzt zehnten Sitzreihe guckt ein Kopf hervor.

Das fatale Fazit gegen die Bahn wird nun seit anderthalb Jahren noch verstärkt. Während der Luftverkehr in Coronazeiten eben NICHT leer in der Gegend rumgondelt, nur weil man halt die Betriebslizenz hat, sondern eben den Fahrplan schwerstens ausdünnt, Leute entlässt, noch effizienter arbeitet, sich quasi jedes Fingerhütchen Kerosin vom Munde abspart, in dieser Zeit also brettern unsere Züge häufig und im Taktfahrplan durch die Gegend. Egal ob nun jemand drinsitzt oder nicht. ALLE haben ihren Gürtel enger geschnallt, sich angepasst. Wieso muss eigentlich JEDE Stunde ein Zug verkehren? Warum wurde der Fahrplan nicht ausgedünnt? Brauchen wir dafür eine CO2 Abgabe? Damit per SBB rausgeraucht wird was wir einsparen?

Kleines Rechenbeispiel gefällig? (Quelle: reporting.sbb.ch)

Von den schweizerischen Bundesbahnen angebotene Kilometer im Jahre 2019 betrugen rund 68‘000 Millionen Kilometer. Ein Jahr, welches noch schön rund lief, obwohl im fernen Osten schon dunkle Wolken aufzogen. Im Jahre 2020 entlud sich dann das Unwetter über Europa, nur nicht für die SBB, die ratterten übers Jahr, unbeeindruckt von fehlendem Bedarf, ein Angebot von rund 65‘000 Millionen Kilometern ab, knapp 5% weniger als im 2019. Mit einem Ladefaktor von … 17,9%!!!! (Sie nennen das durchschnittliche Sitzplatzbelegung. Heisst das, dass man nur soviele Prozent des Sitzes belegt wie angegeben? Ein glattes Bild gäbe das: Im Erstklasswagen der bejubelte Manager, welcher versucht mit der Hälfte der einen Arschbacke sein Gewicht abzustützen, eben der Sitzplatz zu 17,9% belegt.)

Die durchschnittliche Anzahl Sitzplätze in einem Zug betrug letztes Jahr 450. Wir stellen also fest: Die Schweiz leistet sich einen überfütterten, trägen, von Angebot und Nachfrage unbeeindruckten Moloch, um damit 80 Leutchen pro Zug in der Gegend rumzufahren. Und stellt dafür JEDESMAL die Kapazität von 450 Plätzen bereit. Stellen wir fest: Es genügte EIN FÜNFTEL der Kapazität für dieselbe Transportleistung. Kein Privatunternehmen könnte sich das leisten. Denn keine Airline lässt einen Airbus 320 (186 Sitze) regelmässig mit 37 Passagieren länger als eine halbe Woche operieren. Es sei denn sie erhielte ihre Ausgaben staatlich vergütet, oder noch besser, sie befände sich in staatlicher Hand.

Die Schweiz ist DAS Bahnland Europas. Hier wird richtig viel Zug gefahren. Die Zahlen anderer europäischen Bahnen sehen noch mieser aus.

Warum erhebt hier niemand seine Stimme ob dieser Verschwendung? Jawohl, ihr Grünen und grün bemäntelten Politiker, IHR treibt ein bigottes Spiel. Wäre das so schlimm wenn halt nur alle ZWEI Stunden ein Zug nach Bern verkehrt?

Weils so süffig daherkommt nochmal zitiert:
Zwei Kilometer Schiene bringen dich genau zwei Kilometer weit. Zwei Kilometer runway bringen dich in die ganze Welt.

Während die Swiss von einem Ladefaktor von 84 auf 58% abstürzte, bei massivst reduziertem Betrieb notabene, schieben sie und ich munter diesem Monopolisten namens eiserne heilige Kuh auf Rädern die Scheinchen zu. Damit wir Eisenbahn feiern können. Wie wir damit „das Klima retten“ wollen ist mir schleierhaft.

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